Zusammenfassung. Das Vermögen einer Person zeigt an: die Gesamtheit aller Güter, die ihr gehören und durch die sie sich bereichern und ihren materiellen Wohlstand sichern kann. Oder, man hat in den letzten Jahren analoge Begriffe verwendet und man hat von “genetischem Vermögen (patrimoine génétique)” oder “kulturellem Vermögen der Menschlichkeit (patrimoine culturel de l’humanité)” gesprochen. Warum benutzt man nicht ein und denselben Terminus, um alle die Fähigkeiten zu bezeichnen, über die ein Mensch verfügt, um sich selbst zu realisieren (wie z.B. frei und unabhängig zu sein) und um die menschliche Qualität zu beschreiben und zu bewahren, die “Menschlichkeit in ihm”? Was beinhaltet dieses geistige (sittliche) Vermögen (“patrimoine moral”) und wie bezieht sich das Recht auf dieses Vermögen? Dies sind die Themen dieses Aufsatzes. Das geistige Vermögen erscheint im Rechtssystem grundsätzlich unter zwei Formen. 1. In vielen Rechtsnormen, die mehr oder weniger Inhalte wie Gerechtigkeit, Verantwortlichkeit, Solidarität oder guten Glauben verkörpern, ist das geistige Vermögen stillschweigend wie “Hefe im juristischen Teig” gegenwärtig. 2. In den Menschenrechtsdeklarationen haben die geistigen Güter wie insbesondere die individuelle Freiheit und das Selbstbestimmungsrecht des Menschen einen eigenen und ausdrücklichen juristischen Status erhalten. Der Beitrag zeichnet den Stellenwert des geistigen Vermögen in der Geschichte nach und untersucht die Auswirkungen auf rechtliche Zusammenhänge. Mit Hilfe der politischen Ideen von P. Ricoeur ended der Beitrag mit einer kurzen Analyse der Dialektik zwischen der Ethik, der Politik und dem Recht.
Abstract. A person’s patrimony can be defined as the totality of goods and interests which belong to him and by which he may increase his wealth or assure his material well-being. However, in recent years, the term has been used by analogy and now covers a person’s “genetic patrimony” or the “human cultural patrimony.” Why not use the same term to signify all the capacities which human beings have for self-realisation as autonomous and free, and to construct and maintain the essentially human quality of “humanity”? What is the content of such a “moral patrimony” and in what ways does the law refer to this patrimony? This is the subject of the present article. The moral patrimony appears in law in essentially two guises: 1. It is to be found in a number of legal rules which more or less embody a sense of justice, of responsibility, of solidarity or of good faith. The moral patrimony is implicitly present as the “yeast in the dough of the law.” 2. In declarations guaranteeing human rights, moral rights concerning individual freedom and self-determination have been accorded a separate and distinct legal status. Using the political ideas of P. Ricoeur, this article concludes with a brief analysis of the dialectic between ethics, politics and law.
European Review of Private Law